Interventionskurs
Wer braucht wann die spezielle Fachkunde und den Interventionskurs?

16 Mai 2018

Die Strahlenschutzkommission hat im Jahre 2007 eine Liste von Maßnahmen veröffentlicht, die sie als Interventionen definiert. Die Dynamik in der interdisziplinären Entwicklung immer neuer mikroinvasiver und durchleuchtungsgestützter Techniken lassen jedoch an der Vollständigkeit zweifeln. Schon im Sinne der eigenen Sicherheit sollte die Indikation zur Fortbildung im Strahlenschutz interventioneller Anwendungen (Interventionskurs) eher weit als eng gefasst werden.

Wer interventionell radiologisch tätig ist, bedarf einer Fachkunde zur Anwendung von Röntgenstrahlung bei fluoroskopischen Interventionen an einem Organsystem (seit 1.3.2006 ist dazu die Teilnahme am Spezialkurs Intenventionsradiologie erforderlich). Eine solche Fachkunde kann nur in Verbindung mit der Fachkunde über das Gesamtgebiet der Röntgendiagnostik, einem sonstigen begrenzten Anwendungsbereich oder einem der Organsysteme Thorax, Abdomen, Skelettdiagnostik, Mamma, periphere und zentrale Gefäße oder Gefäßsystem des Herzens erworben werden. Grundlage dieser zusätzlichen Fachkunde ist die Teilnahme an einem Interventionskurs.

Vielfach stellen sich Ärzte die Frage, ob sie eine derartige Fachkunde beantragen müssen. Zunächst einmal ist nach dem Sinn und Zweck der zusätzlichen Interventionsfachkunde zu fragen; der Sinn steht ausser Zweifel: Projektionsradiographische Untersuchungen erfolgen in der Mehrzahl der Fälle als kurze „Standaufnahmen“ in definierter Einstelltechnik. Die Belichtungszeit ist vom Objekt abhängig und wird meist durch eine Abschaltautomatik geregelt. Insofern hat der Anwender auf die Belichtungszeit und folglich über diese keinen Einfluss auf die Dosis. Anders stellt sich Situation bei allen Durchleuchtungsuntersuchungen dar, die als rein diagnostische Maßnahmen jedoch nur noch selten sind.

Häufig sind Durchleuchtungsuntersuchungen im Zusammenhang mit Interventionen, bei denen die Durchleuchtung zur Steuerung der Maßnahme erforderlich ist. In diesen Fällen stellt die Durchleuchtungszeit einen dosisrelevanten Faktor dar - und ist zugleich nur einer vieler möglicher Faktoren. Andere sind bspw. die Röhrenposition, die Projektionsrichtung, die Einblendung, das Durchleuchtungsverfahren u.a.m. In Anbetracht der Bedeutung jedes einzelnen Faktors, der sich multiplikativ auf die Dosis auswirkt, ist es ratsam, dass der Anwender nicht nur allgemein um die Dosisrelevanz der Durchleuchtung weiß, sondern jede Stellschraube kennt. Dabei erscheint es zunächst nicht von Relevanz, welcher Fachrichtung der Interventionalist angehört bzw. in welchem Bereich die Intervention stattfindet. Die Strahlenschutzkommission hat in Ihrer 217. Sitzung am 20./21. September 2007 folgende Maßnahmen als interventionelle Maßnahmen definiert:

  • die Wiedereröffnung von Koronararterien (perkutane transluminale Coronar-Angioplastie = PTCA, Lyse),
  • die Wiedereröffnung von zentralen und peripheren Gefäßen (z. B. perkutane transluminale Angioplastie = PTA, Aspiration, Fragmentation, Lyse),
  • die Implantation von Gefäßprothesen (verschiedene Formen von Stents),
  • die Implantation von Katheter- oder Port-Systemen (z. B. Port zur Chemotherapie oder parenteralen Ernährung),
  • der Verschluss von Gefäßen mit verschiedenen Verfahren (z. B. Embolisation),
  • die Erzeugung und Behandlung neuer künstlicher Gefäßverbindungen (z. B. TIPS-Shunt der Leber, Hämodialyse-Shunt),
  • die perkutane Ableitung von Flüssigkeiten (z. B. Erguss, Abszess),
  • die Behandlung von Gangsystemen des Gastrointestinaltrakts, der Gallenwege und des Urogenitalsystems,
  • die Hochfrequenzablation rhythmogener Foci oder Reizleitungsstrukturen,
  • sonstige spezielle Interventionen wie z. B. Valvuloplastien,
  • das Heranführen therapeutischer Substanzen mit Kathetern unmittelbar an einen Krankheitsherd (z. B. Chemoembolisation). Die aufgeführten Maßnahmen sind also in jedem Fall als Intervention zu werten. Neben den konkreten Interventionen führt die Strahlenschutzkommission aber auch noch aus: „Zum Teil werden neue Therapieoptionen bei Patienten, die z. B. für eine Operation nicht in Frage kommen, erst durch die interventionelle Radiologie möglich.“

Gerade im Hinblick auf die interdisziplinäre Zunahme minimalinvasiver Techniken kann die oben aufgeführte, bereits mehr als 10 Jahre alte Liste nicht als umfassend angenommen werden. So gibt es zunehmend unfallchirurgische Tätigkeiten, wie z.B. die Vertebroplastie oder Kyphoplastie, die als interventionell bezeichnet werden können, ohne aufgeführt zu sein. Doch sind es nicht nur die komplexen Verfahren, die spezielles Wissen zur Fluoroskopie sinnvoll erscheinen lassen. Selbst einfache Maßnahmen, die unter Durchleuchtungskontrolle stattfinden, sollten mit dem Wissen des interventinell tätigen (Teilgebiets)Radiologen durchgeführt werden, um eine unnötige Strahlenexposition nicht nur des Patienten, sondern auch aller umstehenden Personen zu vermeiden. In diesem Sinne weist auch die Strahlenschutzkommission daraufhin, dass „... eine wichtige Maßnahme zur Reduktion der Strahlenexposition von Patienten und Personal [ist] die regelmäßige Schulung...“ ist, um über neuere technische Entwicklungen auf dem Laufenden zu sein, die Einfluss auf die Exposition haben können. In welchen Fällen aktuell welche Fachkunde zur Anwendung von Röntgenstrahlung bei fluoroskopischen Interventionen an einem Organsystem gefordert wird, sollten Anwender aufgrund der Dynamik der medizinischen Entwicklung bei ihrer Ärztekammer bzw. Aufsichtsbehörde erfragen. Im Sinne schon der eigenen Gesundheit ist es sicher nicht verkehrt, an einem Interventionskurs teilzunehmen und damit nicht nur die Grundlage für den zusätzlichen Fachkundeerwerb zu legen, sondern vor allem zu erfahren, wie die Dosis minimiert werden kann.

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